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Vorgeschichte
Frühgeschichte
Schon früh begannen die Menschen, mechanische Abläufe der Mathematik exakt zu formulieren. Verschiedene Algorithmen wurden dazu als einfache Rechenvorschrift angegeben, z.B. der euklidische Algorithmus. Diese Algorithmen dann auch automatisch von Maschinen durchführen zu lassen gelang jedoch erst im 17. Jahrhundert.
Im Altertum bis ins Mittelalter hinein diente der "Abakus" als Hilfsmittel für die vier Grundrechenarten. In der Regel war der Abakus damals eine Tafel auf der verschiebare Zahlsteine verschoben wurden. Die heutige Form mit Stangen und verschiebaren Kugeln war damals noch zu schwer herzustellen. Im übrigen wurde auf diesen Zahlbrettern keine Null dargestellt.
Im 5. Jahrhundert entstand dann in Indien das heutige Dezimalsystem - eben mit der Null. Dies war eine wichtige Voraussetzung für die Weiterentwicklung der Mathematik. Der persische Mathematiker und Astronom Ibn Musa Al-Chwarisni (auf seinen Namen geht das Wort Algorithmus zurück) schrieb im 9. Jahrhundert das Lehrbuch "Regeln der Wiedereinsetzung und Reduktion". Hier entstand die Notwendigkeit einer symbolischen Mathematik.
In Europa wurden die Rechengesetze erst durch Adam Riese bekannt. Er veröffentlichte 1524 ein Rechenbuch, das weithin in den Schulen verwendet wurde. In dieser Zeit setzte sich das Dezimalsystem in Europa durch und ermöglichte eine Automatisierung des Rechenvorgangs. Bis zum 17. Jahrhundert wurden aber noch keine automatischen bzw. mechanischen Rechenhilfsmittel verwendet. Auch die nun entstehenden ersten mechanischen Geräte setzten sich nicht weithin durch.
Die ersten Rechenautomaten
Im Jahre 1623 entwickelt Wilhelm Schickard eine Maschine für seinen Freund Kepler, die addieren, subtrahieren, multiplizieren und dividieren kann. Sie gerät jedoch wieder in Vergessenheit und nur die Geschichtsforschung hat diese erste urkundlich nachweisbare Rechenmaschine ("Rechenuhr") wiederentdeckt.
Auch die 1641 von Blaise Pascal entwickelte Maschine zur Addition sechsstelliger Zahlen erlangte keine Bedeutung.
1674 befaßt sich dann auch Gottfried Wilhelm Leibniz mit der Konstruktion von Rechenmaschinen für die vier Grundrechenarten. In diesem Zusammenhang beschäftigt er sich auch mit der binären Zahlendarstellung - eine wichtige Voraussetzung für die späteren Computer.
1774 entwickelt Phillip Matthäus Hahn eine mechanische Rechenmaschine, die erstmals zuverlässig arbeitet.
Ab 1818 wurden dann Rechenmaschinen nach dem Vorbild der Leibnizschen Maschine in Serie produziert.
Lochkarten
Lochkarten waren die ursprüngliche Form zur Programm und Zahleingabe der ersten programmgesteuerten Maschinen - den Webstühlen.1728 baute der französiche Mechaniker Falcon den ersten automatisch gesteuerten Webstuhl. Seine Erfindung wurde später von Joseph-Marie Jaquard weiter verbessert, der das Prinzip nutzte, um bestimmte Stoffvorlagen zu kopieren, deren Muster schwer zu vervielfältigen waren.
Diese Lochkartentechnik wurde dann durch Charles Babbage als Eingabemedium für seine Maschine aufgegriffen. Er plante ab 1838 eine Maschine, bei der die Reihenfolge der Rechenoperationen durch nacheinander eingegebene Lochkarten gesteuert wird. Die Maschine sollte einen Zahlenspeicher, ein Rechenwerk, eine Steuereinheit und einen Programmspeicher besitzen.
Die unzulängliche technische Entwicklung seiner Zeit allerdings bewirkte, daß seine modernen Ideen als Unsinn angesehen wurden. Das von ihm entworfene Modell einer dampfbetriebenen "Differenzmaschine" (1833) wurde ebensowenig vollendet wie die weitreichenden Ideen zur "Analytischen Maschine" - diese wies bereits die wichtigsten o.g. Merkmale der Computertechnologie auf, weswegen Babbage auch der "Vater des Computers" genannt wird.
Dadurch konnte auch Augusta Ada Lovelace (1815-1852) ihre Ideen nicht technisch umsetzen. Sie kann als die erste Programmiererin bezeichnet werden, die die Prinzipien der Programmierung bereits 100 Jahre vor ihrer Umsetzung verstand - ihre Aufzeichnungen gaben die Grundlage für die Konstruktion vieler Rechenmaschinen der heutigen Zeit.
1890 entwarf dann Hermann Hollerith seine Lochkartenmaschine zur Auswertung der Volkszählung in den USA und verkürzte damit die Bearbeitungszeit von prognostizierten 10 Jahren auf ganze 6 Wochen. Er nutzte seine Erfindung und gründete 1896 die Firma "Tabulating Machine Company", aus der 1924 IBM hervorging und sich später unter der Führung von Thomas J. Watson zu einem der bedeutensten Unternehmen entwickelte. Lochkarten wurden auch noch in den ersten Computergenerationen der nun anbrechenden modernen Zeit verwendet - bis sie dann durch die magnetischen Massenspeicher abgelöst wurden.
Monster der Technik
Auch in den 30er und 40er Jahren war die Elektronik noch nicht entwickelt. Trotzdem wurden hier auf mechanischer und elektro-mechanischer Grundlage die ersten Rechner gebaut.
"IBM" entwickelte 1944 den Mark-1, einen uneffizienten "Monstercomputer", der auf einem einfachen elektronischen Gerät, dem Relais, beruhte, und der mittels eines perforierten Bandes programmiert wurde.
Ein britischer Fernmeldeingenieur hat im Zweiten Weltkrieg einen der ersten Computer (den ersten?) der Welt gebaut, um Funksprüche der deutschen Wehrmacht zu entschlüsseln.Wie die französische Fachzeitschrift "Sciences et Vie Micro" 1999 in ihrer Juniausgabe berichtete, wäre die Landung der Alliierten in der Normandie 1944 ohne den Rechner mit dem Namen "Colossus" undenkbar gewesen. Das sechs Meter lange und 2,5 Meter hohe Ungetüm wurde jetzt anhand von Bildern und Zeitzeugenberichten in der Nähe von London wieder aufgebaut.
"Colossus" sei so erfolgreich gewesen, daß der britische Premierminister Winston Churchill ihn nach dem Krieg habe zerstören lassen, berichtet der Autor Emile Servan-Schreiber in der Zeitschrift. Niemand habe wissen sollen, wie die Alliierten den Krieg gewonnen hätten, für den Fall, daß die "Heldentat" noch einmal hätte vollbracht werden müssen. Das Riesengerät funktioniert mit 2500 Elektronenröhren und hat einen 25-Bit-Arbeitsspeicher. In den 40er Jahren konnten damit deutsche Funksprüche binnen zwei Tagen entschlüsselt werden. Per Hand wären mehrere Monate nötig gewesen. Zwischen Januar und Juni 1944, also während der Vorbereitungszeit für die Landung der Alliierten, seien so jede Woche rund hundert Nachrichten entschlüsselt worden.
Um 1934 beginnt Konrad Zuse mit der Planung einer programmgesteuerten Rechenmaschine, die das binäre Zahlensystem verwendet. Diese mechanische Anlage (die Z1) wird 1937 fertig. Im Jahre 1941 ist der erste funktionsfähige programmgesteuerte Rechenautomat, die elektronisch-mechanische Z3 von Zuse fertig. Die Programmeingabe erfolgt mittels Lochstreifen, wofür Zuse wegen der Warenknappheit während des Krieges alte Filmreste verwendet. Die Anlage verfügt über 2000 Relais und einer Speicherkapazität von 64 Worten a 22 Bit.
1944 wird ENIAC von J.P. Eckert und J.W. Mauchly fertiggestellt. Er ist der erste voll elektronische Rechner und besitzt 18000 Röhren. Damals kalkulierte man, daß es auf der ganzen Welt einen Bedarf von acht dieser Rechner gäbe, weil man noch nicht wußte, was man noch alles damit ausrechnen sollte. Der spätere US-Präsident Ronald Reagan erklärte in einem Werbefilm, daß ENIAC sich an die Steuererklärungen der US-Bürger heranmachen werde.
In der zweiten Hälfte der 40er Jahren wurden die ersten (tonnenschweren) programmgesteuerten Rechner installiert, mit denen man endlich die Lösungen der "Traumprobleme der Mathematiker" in Angriff nehmen konnte: der SSEC der Firma IBM, in dessen Inneren 12.500 Röhren und 21.400 Relais schalteten wie walteten und der für den Programmablauf 36 Lochstreifenleser benötigte, begann 1947 mit der Berechnung der Mondflugbahn (1947 wurde auch der Transistor erfunden). 1951 wurde zum ersten Male ein Computer in Serie gebaut. Er benötigte für eine Multiplikation 0,025 Sekunden. Die Daten wurden nun nicht mehr nur auf Lochstreifen gespeichert, sondern auch auf Magnetplatten und -bändern. Durch ihre Einführung konnten die anfallenden Datenmengen sinnvoll mit geringen Zugriffszeiten und entsprechender Platzersparnis gespeichert und verwaltet werden.
Als 1958 erfunden wurde, arbeiteten weltweit 1.300 Computer. Die neue Technologie ermöglichte nun kleinere, stromsparendere, schnellere, kühlere und damit preiswertere Rechner: die Stückzahlen wurden fünfstellig. Datentransfer und schnellere Peripherie machten die erwachsen werdende Technologie für den kommerziellen Anwender interessant. Die treibende Kraft in der Weiterentwicklung blieben aber die exotischen Anwendungswünsche wie das Apollo-Programm der 60er Jahre. 1969 waren der Stand der Technik monolithische Schaltkreise, auf denen bei 1 qmm Fläche 25 Transistoren und 40 Widerstände Platz fanden.
Obwohl immer weitere Modelle von Computern entwickelt und gebaut wurden, war in dieser Nachkriegszeit der weitere stürmische Verlauf noch nicht abzusehen. Man dachte, nur wirklich große Firmen könnten sich jemals Computer leisten - und so dachten die Firmenbosse damals auch noch nicht daran, kleinere Computer herzustellen. Auf uns wirken diese ersten Computer wie riesige Ungetüme, Dinosaurier, Monster.
Bis zum PC, dem "Persönlichen Computer" bedurfte es dann noch einer ganzen Reihe von Schritten. Wir unterteilen diese Schritte heute grob in Computergenerationen, die im wesentlichen Entwicklungsgenerationen der unterliegenden Elektronik sind. Bis heute bestimmt die ständige Leistungssteigerung der Computerelektronik die Möglichkeiten zum Einsatz von Computern in immer weiteren Bereichen.
Der Personal Computer
Silicon Valley und die Stanford-Universität
Das "Silicon Valley" ist, streng geografisch gesehen, kein Tal. Es handelt sich um eine circa 20 mal 40 Kilometer große Fläche am Südende der San Francisco Bay an der Westküste Kaliforniens - die Entfernung von San Francisco beträgt etwa 70 Kilometer.
Die San Francisco Bay ist von Gebirgszügen umgeben; vom Silicon Valley aus gesehen sind dies im Süden die Santa-Cruz-Mountains (bis ca. 800 Meter hoch) und im nordöstlichen Teil die Diablo Ranges mit bis zu 1200 Metern Höhe. Die Orte des Silicon Valley liegen zwischen 10 und 300 Metern über dem Meeresspiegel.
Das Gelände hat den Namen Silicon Valley erst seit 1971. Damals prägte der Journalist Don Hoeffler den Namen in einem Artikel über die Halbleiterindustrie der Vereinigten Staaten. Zuvor hieß das Gebiet einfach Santa Clara County, benannt nach der Hauptstadt des Gebietes.
Die wichtigsten Städte, gesehen aus nordwestlicher Richtung (von San Francisco her), sind Palo Alto mit der Stanford-Universität, die bei der Entstehung des Silcon Valley eine Schlüsselrolle spielte, danach weiter in südöstlicher Richtung Mountain View, Sunnyvale, Cupertino, Santa Clara und schließlich San Jose, größte Stadt des Silicon Valley und zugleich das südöstliche Ende. In etwa dieser Reihenfolge ist das Silicon Valley auch gewachsen. Angefangen hat alles an der Stanford-Universität, und im Laufe des Wachstums breitete sich die Industrie in Richtung San Jose aus. Entsprechend finden wir auch die gesellschaftliche Struktur im Silicon Valley vor. In Palo Alto, Sunnyvale, Cupertino und Santa Clara leben hauptsächlich Ingenieure und Akademiker.
Mountain View ist wegen seiner relativ hohen Lage über der Bucht und der guten Aussicht auf Meer und Gebirge zur Residenzstadt der Millionäre des Silicon Valley geworden. San Jose hat seinen Bevölkerungsreichtum hauptsächlich der Tatsache zu verdanken, daß sich hier die Arbeiter der umliegenden Firmen ansiedeln. Darunter sind viele Ausländer, zumeist lateinamerikanischen, phillipinischen oder asiatischen Ursprungs, die in den Chip- und Technologiefabriken die Massenarbeit verrichten.
Ebenfalls günstig nahegelegen ist die Berkeley-Universität, die knapp 100 Kilometer nördlich liegt.
Die "Leyland Stanford Junior University" wurde 1891 gegründet. Dies wurde möglich durch eine Landstiftung des damaligen Senators Stanford, der 8800 Morgen Land einer Farm sowie 20 Millionen Dollar zur Verfügung stellte, um eine Universität zu gründen.
1924 wurde Frederick E. Terman Professor für Radiotechnik in Stanford. Er spielte in der Geschichte des Silicon Valley gleich in zweifacher Weise eine besondere Rolle. Zunächst verhalf er der allerersten Elektronikfirma in der Bucht zur Gründung, indem er seinen Studenten William Hewlett und David Packard einen größeren Kredit verschaffte. Die Firma Hewlett-Packard ist heute ein Begriff auf dem Gebiet der Mikroelektronik.
Seine zweite bedeutende Tat war die Gründung des "Stanford Industrial Parc", auch Stanford Research Parc genannt. Die Gründung dieses Forschungsparks für universitätsnahe industrielle Forschung sollte Stanford zu mehr Kapital verhelfen, um mehr Wissenschaftler einstellen und bessere Einrichtungen anschaffen zu können. Denn das Problem von Stanford war, daß man sehr viel Land besaß, aber laut Schenkungsurkunde nichts davon verkaufen durfte. So kam Terman Ende der vierziger Jahre auf die Idee, das Land einfach für 99 Jahre an interessierte Firmen zu verpachten. 1951 war es dann soweit, die erste Firma bezog ihr Grundstück im Forschungspark: Varian Associates. Hewlett-Packard folgte 1954 und zu Beginn der 80er Jahre waren mehr als 90 Firmen, darunter auch die bekanntesten der amerikanischen Hi-Tech-Industrie, im Forschungspark vertreten. Der von Xerox betriebene Palo Alto Research Parc (kurz PARC) war dabei immer wieder Ausgangspunkt für wichtige Entwicklungen der Computer.
1947 erfanden Wiliam Shockley, John Bardeen und Walter Brattain den Transistor. Zunächst wurde er nur als Verstärker benutzt, aber bald erkannte man seine Eignung als schneller Schalter. Anfang der 50er Jahre wurde der Transistor dann in Massen produziert, und Hauptabnehmer war das Militär.
Shockley und seine Kollegen erhielten 1956 den Nobelpreis für die Erfindung des Transistors. Kurz davor gründete Shockley seine Firma Schockley Semiconductor Laboratory . Er stellte acht Ingenieure, vor allem von der Ostküste Amerikas, ein - die sog. Shockley Eight. Als Firmen- und Wohnsitz suchte er sich Palo Alto aus, weil ihm das Klima und die Universitätsnähe zusagten und weil seine Mutter von dort stammte und er somit ein wenig ortskundig war.
Doch bereits 1957 verließen Ingenieure wegen Unstimmigkeiten über die Produktlinie Shockley und gründeten eine eigene Firma: Fairchild Semiconductors . Es war die erste Firma, die ausschließlich Siliziumhalbleiter produzierte. Ihre Gründer waren Robert Noyce und Gordon Moore. Bei Fairchild wurden für die Halbleiterherstellung bedeutende Ding wie der Planarprozeß erfunden.
Danach erfolgten explosionsartig immer neue Firmengründungen. Fast alle kann man auf Shockley/Fairchild zurückführen. Selbst die Anfänge bekannter Firmen wie National Semiconductors oder Advanced Microcomputer Devices (AMD) sind bei Fairchild zu finden.
1968 zog sich Robert Noyce aus Fairchild zurück und gründete Intel (Integrated Technology) .
Texas Instruments und Motorola sind zwei der wenigen großen Halbleiterfirmen, die nicht im Silicon Valley entstanden sind. Fast der gesamte Rest der Halbleiterhersteller Nordamerikas begann im Silicon Valley.
Der Mikroprozessor
Vor dem Mikroprozessor gab es "Mainframes" und "Minicomputer". Mainframes waren sehr große Rechner, zumeist raumfüllend, stromverschlingend und kosteten viele Millionen. Minicomputer waren schon so klein, daß sie Schrankgröße hatten. Der kleinste Minicomputer, die PDP-8 von DEC, konnte sogar von Handelsvertretern im Kofferraum zur Vorführung mitgenommen werden.
Eine der ersten populären Anwendungen von hochintegrierten Schaltkreisen neben der militärischen Nutzung und dem Bau von Großrechnern waren die Rechenmaschine. Zunächst waren dies Tischgeräte, viele tausend Dollar teuer, die lediglich die Grundrechenarten beherrschten und eine Leuchtanzeige mit wenigen Stellen besaßen.
Doch es dauerte nicht lange, bis die Rechenmaschinen dank höher integrierter Halbleiter und neuer Schaltkreise immer kleiner und leistungsfähiger wurden. Hewlett-Packard verkaufte 1968 mit dem HP9100A einen Tischrechner für 4900 Dollar, der immerhin schon trigronometrische Funktionen berechnen konnte. Das Gerät besaß eine Kathodenstrahlröhre als Anzeige.
Im Jahr 1969 trat die japanische Firma Busicom an den Halbleiterhersteller Intel mit dem Auftrag der Herstellung eines Chipsatzes für Taschenrechner heran. Intel hatte sich bisher auf die Herstellung von Speicherbausteinen konzentriert, aber Robert Noyce, Chef von Intel, sagte sich, daß dieser Entwicklungsauftrag nichts schaden könne. So wurde Marcian Ted Hoff, ein neuer Mann bei Intel, mit dem Design des Chipsatzes beauftrage. Hoff kam gerade von der Universität und hatte dort auch Kontakt mit verschiedenen Minicomputern gehabt, unter anderem auch mit der PDP-8 von DEC. Er merkte, daß der gewünschte Chipsatz den Taschenrechner in etwa so teuer machen würde wie einen Minicomputer. Und für ihn als Wissenschaftler war klar: er würde den Computer dem Taschenrechner vorziehen.
Er wandte sich mit der Idee eines programmierbaren Universalschaltkreises an den Auftraggeber, doch der war davon nicht begeistert. Robert Noyce ermutigte Hoff jedoch, weiterzumachen, weil ein programmierbarer Universalchip Intel von Nutzen sein könnte - er könnte jedes Taschenrechnerproblem der Welt lösen, ohne daß ständig neue Hardware hätte gebaut werden mußsen.
Mitte 1969 kam Stan Mazer von Fairchild zu Intel und unterstützte Hoff beim Design seines Schaltkreises. Nach Vollendung des Designs, aber noch vor der teuren Produktion des ersten Schaltkreises, gelang es Intel, den Auftraggeber von der Nützlichkeit des Hoff'schen Schaltkreises zu überzeugen. Die Japaner bekamen einen Exklusivvertrag zur Nutzung des Mikroprozesors für etwa 60000 Dollar. Mazer und Hoff freuten sich, und begannen zusammen mit Frederico Faggin, einem weiteren Intel-Mitarbeiter und Ex-Fairchild-Mann, den Entwurf in einen Schaltkreis umzusetzen. Der Schaltkreis bekam die Nummer 4004, zum einen, weil er rund 4000 Transistorfunktionen innehatte, und zum anderen, weil er der vierte Prototyp des Bausteins war. Außerdem verarbeitet der 4004 immer 4 Bit auf einmal. Die Prototypen 4000, 4001, 4002 und 4003 hatten kleine Fehler, und der 4004 war der erste Chip, der vollständig funktionierte.
Doch der Exklusivvertrag mit dem japanischen Kunden machte Intel zu schaffen. Dort hatte man mittlerweile erkannt, daß der Mikroprozessor auch in Meß- und Steuergeräten gut einsetzbar war. So kam es gerade recht, daß die Japaner Ende 1970 um eine Preissenkung des 4004 baten, um konkurenzfähig zu bleiben. Intel nutzte die Gelegenheit und kaufte mit der Preissenkung das Recht am Mikroprozessor zurück. Denn mittlerweile hatte sich eine weitere Firma bei Intel gemeldet, die einen Schaltkreis haben wollte, der ein Terminal steuert. Es war sofort klar, daß dies eine weitere Anwendung für den Mikroprozessor war. Allerdings war der 4004 dafür ungeeignet, da er nicht einmal den Zeichencode eines Buchstabens auf einmal bearbeiten konnte. So fingen Hoff und seine Kollegen an, einen neuen Mikroprozessor mit der Fähigkeit, 8-Bit-Daten zu verarbeiten, zu entwerfen.
Doch die Entwicklung des 8008 dauerte dem Auftraggeber zu lange, und er sprang ab. Nun saß Intel auf einem fast fertigen Mikroprozessor, für dessen Entwicklung viel Geld investiert wurde, und es gab keinen Kunden. Also entschloß man sich 1972, für den Mikroprozessor zu werben. Zu diesem Zweck wurde Regis McKenna eingestellt, der die berühmte Werbekampagne 'A computer on a chip' - ein Computer in einem Schaltkreis gestaltete. Die Aussage war zwar nicht ganz korrekt, da man immer noch Speicherbausteine und einige sonstige Bauteile benötigte, aber die Kampagne traf. Sie löste eine derartige kontroverse Diskussion darüber aus, ob es wirklich einen Computer auf einem Chip geben könne oder nicht, daß Intel bald in aller Munde war.
1975 stellten Mitentwickler des 8080, die inzwischen INTEL verlassen und die Firma Zilog gegründet hatten, einen verbesserten 8080-kompatiblen Prozessor - den Z80 - vor. Begleitet wurde diese Entwicklung von dem "Zusammenbasteln" der ersten Computer, die sich auch kleinere Geschäfte oder sogar Privatleute leisten konnten. Den Grundstein zu diesem inzwischen heiß umkämpften Milliardenmarkt legte 1975 die Firma MITS aus New Mexico mit dem Modell "Altair 8800", ein INTEL 8080-System, für 2000 Dollar (Bild links). Der Altair wurde ein Flop; denn kein Mensch interessierte sich für solch ein Produkt.
Mehr Erfolg hatten drei andere Unternehmen: Commodore, Tandy und Apple Computer (1976 von Steven Jobs und Steve Wozniak gegründet). Sie stellten 1977 ihre ersten kleinen Computer vor. Es waren Geräte von Bastlern, Freaks und "Hackern" für eben die selben. Die Geschäftsführung war improvisiert und laienhaft. Neben Textverarbeitung entwickelte sich insbesondere die Tabellenkalkulation zur wesentlichen PC-Anwendung, mit der aufwendige "Was-wäre-wenn-Simulationen" berechnet werden können.
In Deutschland wurde 1978 mit dem PET 2001 von Commodore der erste Computer dieser Kategorie präsentiert.
Soweit die Vergangenheit. Die Gegenwart begann 1977 mit der Einführung des ersten 16-Bit Prozessors, dem TMS 9900 von Texas Instruments. Dieser fand 1979 im legendären und wohl ersten 16-Bit Computer, dem TI-99/4 aus gleichem Hause Verwendung - auch wenn der Prozessor im Rechner nur 8-Bit Zugriffsbreite hatte. 1978 / 1979 stellte schließlich auch INTEL mit dem 8086 / 8088 eine 16-bit-Prozessorfamilie der Öffentlichkeit vor. Der 8088 war ein Zwitter, denn er entsprach nach außen hin noch einem 8-bit Prozessor (8-bit Datenbus), aber intern arbeitete er bereits mit 16-bit, was kürzere Berechnungszeiten und die Adressierung von mehr Arbeitsspeicher (RAM) ermöglichte. Der (ältere) 8086 war der erste echte 16-bit Prozessor (mit 16-bit breitem Datenbus), zu dem der heutige PENTIUM III-Prozessor in seinen Grundzügen immer noch kompatibel ist!
Mit 29.000 Transistoren war er um den Faktor 12 umfangreicher bestückt als sein Urahn, der 4004. Ziel der weiteren Entwicklung wurden durch die höhere Adressierbarkeit nicht nur schnellere und leistungsfähigere Prozessoren, sondern auch Speicherchips, die auf weniger Raum mehr Daten unterbringen können. Vorläufiger Höhepunkt war die Aufnahme der Serienfertigung eines 1-Megabit-Chips im Juni 1986.
Der SIRIUS 1 war einer der ersten Computer, der mit der 16-bit Technologie von INTEL ausgestattet war (8088). Dazu kam eine Hardwareumgebung, die damals (Anfang der 80er Jahre) ihresgleichen suchte. Der hochauflösende Bildschirm machte zum erstenmal Grafik im PC-Bereich sinnvoll, die Tastatur war professionell und umfangreich ausgelegt, und die Massenspeicher - inzwischen hatte man Floppy- und Festplattenlaufwerke entwickelt - konnten auch längere Texte, wie sie z.B. bei Ausschreibungen anfallen, sinnvoll konservieren.
Angestachelt durch den Erfolg der anderen Firmen stieg IBM 1981 in das PC-Geschäft ein und rollte den Markt mit Hilfe von Microsoft und Intel von hinten auf. (Übrigens: Der Motorola-Prozessor 68000 war zu dieser Zeit zwar leistungsfähiger als der INTEL-Prozessor. Motorola konnte aber nicht liefern; deshalb beschloß IBM, seinen PC mit INTELs 8088 auszustatten.) Als IBM-Partner stieg Intel zum weltgrößten Chip-Produzenten im 20. Jahrtausend auf; und der schmächtige Schüler Bill Gates von einst entwickelte sich mit seiner Vision von "einem PC in jedem Haushalt" in den achtziger und neunziger Jahren zur wichtigsten (und reichsten) Computer-Persönlichkeit der Welt.
Mit dem Einstieg der Firma IBM wurde der recht hohe Technologiestand des SIRIUS 1 umgeworfen. Kleiner Arbeitsspeicher, kleine und laute Floppylaufwerke (Speicherkapazität 360 KB beim IBM entgegen 1,2 MB beim SIRIUS), kleine Tastatur (weniger Tasten), fester Zeichensatz, fehlende Grafikmöglichkeit, die nur mit Erweiterungskarten geschaffen werden konnte, und einige andere Rückschritte wurden zum Industriestandard. IBM konnte es sich auch leisten, seinen PC mit dem biederen 8088 und langsamen 4,77 MHz Taktfrequenz auszustatten, anstatt durch den Einsatz des "rassigen" 8086 und einer höheren Taktfrequenz den Stand der Technik auszuschöpfen, wie es die italienische Firma Olivetti mit ihrem PC M24 oder asiatische IBM-Abgucker gemacht haben.
Weiterentwicklungen des 8086 brachten eine erweiterten Befehlssatz (80186) und erfüllen nun die Anforderungen neuer Betriebssysteme, die Multi-User und Multi-Tasking ermöglichen (80286 und Motorola 68000). Nach "PC" (Personal Computer) etablierte sich mit "AT" (advanced technology auf der Basis des 80286) - vorübergehend - eine neue Abkürzung auf dem Typenschild, nach der sich jeder Computer sehnte.
Mit der Vermarktung des Mikroprozessors kamen neue Probleme auf Intel zu: der Prozessor mußte ausführlich dokumentiert werden, damit Kunden etwas damit anfangen konnten. Außerdem mußten die Kunden unterstützt werden, wenn sie keine Programmiererfahrung hatten. Zu diesem Zweck wurden zwei neue Leute eingestellt. Der eine hieß Adam Osborne und sollte die Dokumentation zu den Mikroprozessoren erarbeiten. Diese Dokumentation, zusammen mit den Büchern, die er später schrieb, wurde zu den wichtigsten Faktoren auf dem Weg zum Personal Computer.
Der zweite Mann hieß Gary Kildall. Er bekam keine Festanstellung bei Intel, sondern wurde unter Berater-Status geführt. Hauptberuflich dozierte er an einer Schule der Armee im Bereich Informatik, doch der Mikroprozessor faszinierte ihn so stark, daß er sich an Intel wandte. Dort bekam er ein Entwicklungssystem zur Verfügung gestellt, auf dem er dann kleine Programme für Intels Mikroprozessoren schrieb. Unter anderem implemetierte er einen PL-1 Compiler und faßte einige kleinere Routinen zum 'Control Program for Microcomputers' CP/M zusammen. Damit konnte man erstmals Peripherie an den Rechnern benutzen, ohne jedesmal die Treiber für die Zusatzgeräte neu schreiben zu müssen. CP/M sollte das führende Betriebssystem der kommenden Mikrocomputer werden.
Nun erkannten auch andere Firmen die Vorzüge des Mikroprozessors. Es wurden dutzende verschiedener Typen gebaut und angeboten. Mit der Zeit wurden enorme Verbesserungen erzielt. Zum einen verbesserte sich die Technologie der Halbleiterherstellung rasant, so daß eine größere Zahl Schaltungen auf einem Chip untergebracht werden konnte, zum anderen kamen neue Ideen und Konzepte wie Transputer, Signalprozessoren, Microcontroller oder das RISC-Konzept auf. Doch durch den frühen Markteintritt von Intel und Motorola gegenüber anderen Firmen sind Prozessoren der beiden Firmen heute führend im Bereich der Personal Computer, wenn auch vor allem Prozessoren von Intel in letzter Zeit verstärkt von anderen Firmen nachgebaut werden.
Die Idee des PC
Mit der Verfügbarkeit von Speicherbausteinen und vor allem des Mikroprozessors waren die Grundlagen des Personal Computers gelegt. Doch es sollte noch einige Jahre dauern.
Bereits vor dem ersten großen kommerziellen Erfolg eines Mikrocomputers hatten einige Leute die Idee, Personal Computer zu bauen. - kleine, preiswerte Computersysteme. In den 60er Jahren hatte Robert Albrecht vergeblich versucht seine Firma Control Data Corporation (CDC), von dieser Idee zu überzeugen. Schließlich kündigte er und gründete das "Portola Institute", welches für das Bekanntmachen von Computern wichtige Vorarbeit leistete. Es beeinflußte maßgeblich Ted Nelson's Buch "Computer Lib" und führte zur Gründung der "People's Computer Company" (PCC) in der Nähe von San Francisco. Die PCC-Zeitung war eines der ersten Blätter, die die Idee des Personal Computers vertraten. Die Erstausgabe erschien 1972.
In dieses Jahr fällt auch der "Cream-Soda-Computer" von Steven Wozniak. Er baute mit Hilfe eines Freundes einen kleinen Computer zusammen, den er nach seinem Lieblingsgetränk benannte. Der Rechner hatte keinen Mikroprozessor, sondern eine in Eigenarbeit gebaute Recheneinheit und er wurde mit Schaltern für Adress- und Dateneingabe programmiert. Bei der Vorführung vor der örtlichen Presse brannte der Rechner durch und geriet in Vergessenheit.
Die Hobbyelektronik-Zeitschrift "Radio Elektronics" stellte 1974 in ihrer Juliausgabe die Baupläne für den Mark-8, einen kleinen Rechner auf Basis des 8008-Mikroprozessors, vor. Die Sensation war perfekt - ein Computer zum selberbauen, und das auch noch für unter 1000 Dollar. Doch schon bald offenbarten sich Nachteile: fehlende Massenspeicher, umständliche Dateneingabe per Schalter, sowie der langsame 8008 waren erste Kritikpunkte.
1974 kam eine Firma namens MITS - Micro Instrumentation & Telemetry Systems durch den radikalen Preisverfall am Taschenrechnermarkt in finanzielle Schwierigkeiten. Das Hauptprodukt der Firma, ein Taschenrechner für 100 Dollar, verkaufte sich praktisch nicht mehr.
MITS wurde Mitte der 60er Jahre unter anderem von Ed Roberts gegründet. Ursprünglich baute man Funkfernsteuerungen und Meßgeräte aller Art, bis das lukrative Taschenrechnergeschäft entdeckt wurde. Doch durch den Markteintritt von Texas Instruments ging der Taschenrechnermarkt kaputt.
So wurde ein neues Produkt benötigt. Roberts hatte die Idee, einen Computerbausatz herzustellen. Er hatte keine Vorstellung davon, ob sich überhaupt jemand dafür interessieren würde, aber fasziniert von den Möglichkeiten des Mikroprozessors begann er mit der Entwicklung. Er entschied sich für den 8080-Prozessor von Intel, weil er diesen durch geschickte Verhandlungen für 75 Dollar das Stück anstatt 360 Dollar das Stück bekam. Dadurch, daß es ein Bausatz wurde, sollte der Preis möglichst gering sein. Außerdem dachte Roberts sich, daß das Gerät erweiterbar sein sollte, damit sich Käufer benötigte Zusatzteile selbst bauen konnten. So entschied er sich zum Einbau eines Bussystem mit der Möglicheit zum Einsetzen von Steckkarten. Der Bus war 100-polig und stellte alle wichtigen Signale des Mikrocomputers zur Verfügung. Der Altair hatte 18 Erweiterungssteckplätze.
Während der Entwicklung des Bausatzes geschah noch etwas, was sich für Roberts als Glücksfall erweisen sollte. Die Zeitung 'Radio Electronics' veröffentlichte im Juli '74 die Baupläne zu einem 8008-basierten Computer. Dies brachte der Zeitung natürlich neue Leserschaft, und die Konkurenzzeitung 'Popular Electronics' mußte sich nun etwas einfallen lassen, um mithalten zu können. So ging man auf die Suche nach einem ähnlichen Projekt, welches nach Möglichkeit den Mark-8 auch noch übertreffen sollte. Der Chefredakteur von 'Popular Electronics', Leslie 'Les' Solomon, traf dabei auf Roberts und interessierte sich für Robert's Computer-Bausatz. Nach Verhandlungen und Vereinbarungen zwischen MITS und Popular Electronics erschien der Bausatz unter dem Namen Altair und unter reißerischer Aufmachung auf der Titelseite der Januarausgabe 1975. Unter anderem wurde davon gesprochen, dies sei der erste Minicomputerbausatz, der mit kommerziellen Modellen mithalten könne [8]. Der Preis des ganzen Bausatzes: 397 Dollar. Viele Leute wollten dies nicht glauben, da der 8080 selbst 360 Dollar kostete.
Der Erfolg war unglaublich. Roberts hatte gehofft, einige hundert der Bausätze verkaufen zu können, um seine Firma zu retten. Doch schon wenige Tage nach Erscheinen der Zeitschrift waren über 2000 Bestellungen eingegangen, zum Teil sogar mit Schecks oder Bargeld.
Dies brachte MITS bei aller Freude über den plötzlichen Aufschwung wieder neue Probleme: man wurde mit der Massenproduktion nicht fertig. Es kam zu Wartezeiten von mehreren Monaten, und dann konnte es passieren, daß der Bausatz nicht vollständig oder nicht funktionsfähig war. Doch zum einen waren die Kunden fast ausschließlich Ingenieure oder Bastler, die Schaltkreise aufbauen und zum Funktionieren bringen konnten, zum anderen war MITS ohne Konkurrenz. So blieb den Kunden nichts weiter übrig, als zu warten .
Die Kundschaft bestand damals überwiegend aus Ingenieuren und Hobby-Elektronikern, die sich bereits mit Computern auseinandergesetzt hatten und in der Lage waren, einen solchen aufzubauen und zu reparieren. Doch schon bald stellte sich die Frage, was man mit dem teuer erworbenen Computer anfangen konnte. Man mußte die Programme immer neu eingeben, wenn man sie benutzen wollte, und die Eingabe erfolgte mittels Schaltern. Als Ausgabe gab es lediglich einige Reihen Leuchtdioden. Eines der ersten Programme für den Altair war ein Gedächtnisspiel, bei dem der Computer ein Leuchtdiodenmuster anzeigte und der Spieler dies mit den Schaltern nachstellen mußte.
Roberts beging einige grobe Fehlentscheidungen beim Vermarkten des Altair. So koppelte er in Hinblick auf die Konkurrenz im Bereich Speicherkarten den Verkauf des Altair-Basic mit dem Verkauf der unzuverlässigen MITS-Speichererweiterung. Altair-Basic kostete alleine 500 Dollar, zusammen mit MITS-Speichererweiterung nur 150 Dollar. Dies verursachte die erste Raubkopierwelle im noch jungen Softwaregeschäft: die Lochstreifen mit dem BASIC waren begehrtes Tauschobjekt. Bill Gates, Autor des BASIC, beschwerte sich am 3.2.1976 sogar in einem offenen Brief über die Kopien und mangelnde Verkäufe.
Ein weiterer schlimmer Fehler war es, den Altair nur an Computergeschäfte zu liefern, die ausschließlich MITS-Produkte verkauften. Da bald nach dem Altair zum einen viele Erweiterungen von Zweitfirmen auf den Markt drängten und zum anderen weitere Computer erschienen, verlor MITS die Händler nach und nach an die anderen Firmen. Die Lücke, die das Fehlen des Altair im Angebot der Geschäfte hinterließ, wurde bald von einer Firma namens IMSAI geschlossen, die den Altair einfach nachbaute.
Letzlich führte dies dazu, daß es unter steigender Konkurrenz mit MITS bergab ging. Um ein Fiasko wie die Taschenrechner-Katastrophe nicht noch einmal erleben zu müssen, verkaufte Ed Roberts MITS am 22.5.1977 an eine Firma namens Pertec, die MITS nach kurzer Zeit aber aufgab und zumachte, als es nicht gelang, die Firma zu retten.
MITS hatte mit dem Altair-Computerbausatz in ein Wespennest gestochen. Offenbar war der Bedarf, einen Computer zu besitzen, so groß, daß hunderte von Leuten einer völlig unbekannten, kleinen Firma auf einen Bericht in einer Hobby-Elektronik-Zeitung hin Unmengen an Geld schickten.
Da der Käufer außer dem Altair und einem Bauplan nichts bekam, waren Informationen vonnöten. Hier spielte ein Buch von Adam Osborne eine wichtige Rolle: er hatte ein Buch über Programmierung und Funktion des 8080 geschrieben. Doch dies allein genügte nicht. Es bildeten sich Clubs mit dem Ziel des Informationsaustausches. Einer davon war der Homebrew Computer Club. Er wurde von Gordon French ins Leben gerufen. Er hing einfach ein Flugblatt mit der Aufforderung an Bastler und Computerinteressierte, sich am 5.März 1975 in Menlo Park in seiner Garage zum Informationsaustausch einzufinden. Die Resonanz war überwältigend. Bereits zum dritten Homebrew-Treffen kamen mehrere hundert Interessierte. So wurden schließlich die Treffen in einem Hörsaal in Stanford abgehalten. Eigentlich handelte es sich nicht um einen richtigen Club mit Mitgliedschaft. Es konnte kommen und gehen, wer wollte. Einzig eine bestimmte Tages- und Diskussionsordnung mußte eingehalten werden. Zum Leiter der Treffen avancierte Lee Felsenstein, der auch in anderen Computerprojekten engagiert war. Neben dem Homebrew-Club bildeten sich, vor allem in grösseren Städten, andere Clubs. Und erste kleine Zeitungen mit Titeln wie 'The Hobbyist' und 'Micro-8-Newsletter' konnten abonniert werden.
Der Homebrew Club verursachte eine Vielzahl von Firmengründungen. Bastler stellten ihre Ideen bei den Clubtreffen vor und gründeten zusammen mit anderen Computerbegeisterten eine Firma, wenn die Idee Anklang fand. So kam es, daß für den Altair-Computer immer mehr Erweiterungen angeboten wurden.
Andere frühe Mikrocomputer
Durch den Erfolg des Altair kamen auch viele andere Bastler auf die Idee, einen Computerbausatz oder Zusatzteile zu entwickeln und zu vermarkten.
Die Halbleiterfirma MOS-Tech brachte Ende 1975 ihren Mikrocomputerbausatz KIM-1 auf den Markt. Basierend auf dem 6502-Prozessor von MOS handelte es sich um eine kleine Platine mit zwei Kilobytes Speicher und im Gegensatz zu anderen Bausätzen hatte KIM statt Schaltern und Leuchtdioden eine Hexadezimaltastatur und eine Leuchtziffernanzeige. Dies erleichterte die Programmierung erheblich. Ein weiterer Bausatz nach Altair-Muster war der SWTPC 6800 von "South-West Technologies". Er dürfte der erste Mikrocomputer auf Basis des 6800-Prozessors gewesen sein. Er erschien Ende 1975.
1976 erschien auch der berühmte "Apple 1". Dabei handelte es sich ursprünglich um einen Bausatz, bestehend aus einer bedruckten Schaltung und den Bauteilen auf Basis des 6502-Mikroprozessors. Entworfen und gebaut hat ihn Steven Wozniak. Er war ein erster Erfolg für die Firma Apple, als es Steven Jobs gelang, einen Auftrag über 50 zusammengebaute Apple 1 von Paul Terell, Besitzer des "Byte Shop", zu bekommen. Dieser Bausatz wurde ca. 220mal verkauft und bildete die Grundlage zum Erfolg der Firma Apple.
Die vom Altair losgetretene Lawine rollte mit unglaublicher Geschwindigkeit weiter. Computer um Computer kam auf den Markt. Das Chip-Special Nr.14 - "Der Computer-Katalog" - aus dem Jahr 1984 enthält die Daten von rund 220 Personal- und Heimcomputern im Bereich von 100 Mark bis einige 10000 Mark. Eine Übersicht gibt die folgende Tabelle. In ihr kann man auch deutlich die Tendenz erkennen, daß die Mikrocomputer mit immer mehr Speicher und neuen, immer schnelleren Mikroprozessoren auf den Markt kommen. Ein weiterer Effekt läßt sich in Zeitschriften beobachten: der Preisverfall wird immer schneller und schneller.
Ein PC von IBM
Zu Beginn der 80er Jahre spielten auch bei IBM, bis dahin Hersteller von Großrechenanlagen, einige Ingenieure mit dem Gedanken, einen Personal Computer zu bauen. Die Firmenleitung war zunächst skeptisch, doch nach einigen Überzeugungsversuchen und Provokationen (Mitarbeiter warfen IBM vor, nicht in der Lage zu sein, einen so kleinen Computer zu bauen) bekam die Entwicklergruppe um Don Estridge in Boca Raton den Auftrag, einen Personal Computer zu entwickeln. Dabei wurde für IBM-Verhältnisse vollkommen untypisch vorgegangen: der Rechner wurde aus frei käuflichen Teilen, unter anderem Intel's 8088-Prozessor, gebaut - und das Betriebssystem wurde bei einer Fremdfirma in Auftrag gegeben.
Die erste Firma, bei der nachgefragt wurde, war Digital Research. Doch Gary Kildall war gerade nicht da, und seine Frau wollte nicht ohne Rücksprache das von IBM verlangte Geheimhaltungsabkommen unterschreiben. Die IBM-Leute waren in Eile, und so ging der Auftrag an Microsoft. Microsoft war damals schon eines der größeren Softwarehäuser, bekannt geworden vor allem durch Microsoft-BASIC, welches auf fast jedem Mikrocomputer verfügbar war. Bill Gates, Mitbegründer und Chef von Microsoft, kaufte bei einigen lokalen Programmierern einen Satz Diskettenroutinen ab, welche zum Kern von MS-DOS wurden. Bei den Verhandlungen mit IBM war Gates so geschickt, MS-DOS selbst an jedermann verkaufen zu dürfen, nicht nur an IBM. Dies brachte Microsoft schließlich Millionen ein, als erste IBM- Kompatible erschienen und ein Betriebssystem brauchten. Und im späteren Softwaregeschäft profitiert Microsoft heute noch davon, daß genaue Informationen über die Interna von MS-DOS nur innerhalb der Firma bekannt sind.
Der IBM-PC erschien 1981. Die Reaktionen darauf waren unterschiedlich. Die Geschäftswelt reagierte begeistert, denn jetzt, wo der Computerriese IBM einen PC auf den Markt gebracht hatte, war der PC endgültig hoffähig und den Kinderschuhen entwachsen. Der Erfolg des IBM- PC dürfte daher hauptsächlich psychologische Gründe gehabt haben. Die Apple-Ingenieure, die zu dem Zeitpunkt an Lisa und MacIntosh arbeiteten, kommentierten den IBM-PC so: "Wir schauten uns ihren PC nach der Markteinführung genau an. Zuerst fanden wir es peinlich, wie schlecht ihr Apparat war. Dann versetzte uns dessen Erfolg in Schrecken. Wir hofften, der MacIntosh würde den Leuten zeigen, was der IBM-PC war: ein abgedroschener, banaler Versuch auf Grundlage der alten Technologie.
Steven Jobs kommentierte den IBM-PC folgendermaßen: "Wenn wir aus irgend einem Grund einen großen Fehler machen und IBM gewinnt, werden wir nach meiner persönlichen Überzeugung 20 Jahre lang in einem finsteren Computer-Mittelalter leben. Der IBM-PC stellt nur eine neue Verpackung und leichte Erweiterung des Apple II dar".
Ende der 80er Jahren ging die Entwicklung zwei parallele Wege, die sich aus heutiger Sicht aber durchaus verbinden lassen.
* Der erste Weg ist die logische und konsequente Weiterverfolgung der 4-8-16-bit Richtung mit dem Einsatz von 32-bit-Prozessoren. Während INTEL aber weiterhin auf die 80x86 Baureihe setzte (der 80386 wurde gerade in ersten Prototypen vorgestellt und der 80486 war in der Entwicklung) und wegen der "Rückwärts"-Kompatibilität Kompromisse eingehen mußte, lieferte Motorola schon seit längerer Zeit 32-bit Prozessoren: den 68000 als 16/32-bit-Prozessor oder den 68020 als echten 32-bit-Prozessor.
* Der zweite Weg verfolgt eine Idee, nach der eine vereinfachte Chiparchitektur schnellere Verarbeitungszeiten zuläßt. Die RISC-Technologie (RISC steht für "Reduced Instruction Set Computer") wurde in den siebziger Jahren von IBM-Technikern entwickelt, um besonders rechenintensive Applikationen besser unterstützen zu können. Während übliche Prozessoren wie die 80x86-Reihe mit einem Reservoir von Befehlen aufwarten (CISC), die in der Praxis jedoch nur selten im vollen Umfang genutzt werden (aber die Programmierung vereinfachen), besteht das RISC-Grundprinzip darin, daß der Befehlssatz des RISC-Prozessors auf die unbedingt notwendigen Kommandos beschränkt ist. Durch die, bezogen auf den praktischen Anwendungsgrad, sinkende Redundanz (Überreichlichkeit, Üppigkeit) werden die Dekodierzeiten während der Laufzeit deutlich verkürzt. Auf der anderen Seite müssen sich die Programmierer eines RISC-Systems hinsichtlich der Programmiertechnik umstellen, denn die bislang vom Prozessor gebotenen Funktionen müssen nun per Programm emuliert werden. Weitere Geschwindigkeitssteigerungen erreichte man durch kürzere Signallaufzeiten, da der Chip auf Grund des geringeren Befehlsunfangs kleiner ist, und das Rechnen im Pipelining.
IBMs erster RISC-Computer wurde auf der CeBIT 1986 als IBM RT vorgestellt worden. IBM sah die Anwendungsmöglichkeiten vor allem im rechenintensiven CAD/CAM-Bereich. Die Geschichte weiß, daß sich diese Technologie gegenüber den INTEL-Entwicklungen nicht durchsetzen konnte.
Parallel zu der bisher beschriebenen Entwicklung, die zum PENTIUM-PC führte, hat man die mittlere Datentechnik und Großcomputer-Entwicklungen ständig weitergetrieben. Auch wenn der PC immer mehr in deren Terrain einbricht, waren für Simulationen, filmreife Animationen und große Datenbank-Anwendungen bei Banken oder Versicherungen diese Boliden lange Zeit notwendig.
Der Computer-Boom der 90er Jahre kannte keine Grenzen: Erstmals wurde die Informationstechnik und Telekommunikation 1999 in Deutschland mit mehr als 200 Milliarden DM Umsatz den Automobilmarkt überholen. Allein 1998 wurden nach Schätzungen knapp 5,6 Millionen neue PC verkauft.
Gebremst wurde diese Entwicklung nur vom Mangel an Personal. Während andere Branchen ihre Beschäftigten vor die Tür setzen mußten, suchte die Informationstechnologie händeringend nach Fachleuten. Schätzungen zufolge waren in Europa etwa 370.000 Stellen offen. Die Fachleute fehlten am Ende des Jahrtausends vor allem zur Lösung des gefürchteten Jahr-2000-Problems (Y2K).
Der Chip steckt inzwischen längst nicht mehr nur in den Computern: Auch Waschmaschinen, Autos, Fernseher werden vom Chip gesteuert. Ohne Mikroprozessoren gäbe es keine Mobiltelefone, Airbags oder Mikrowellengeräte.
Einen weiteren Schub erfuhr die Computerindustrie zudem Ende der 90er Jahre, als das Computernetzwerk Internet durch grafische Benutzerprogramme ("Browser") für ein Massenpublikum interessant wurde. Was einst für militärische und wissenschaftliche Zwecke entworfen wurde, entwickelte sich innerhalb weniger Jahre zum weltweiten Kommunikationsnetz für Millionen Nutzer. In der virtuellen Welt treffen sie sich zum Plaudern mit anderen "Usern", erledigen Einkäufe oder Bankgeschäfte vom Sofa aus oder schreiben E-Mails an Freunde in aller Welt.
Wie sehr die Technik inzwischen in den Alltag eingegriffen hat, fällt aber meist erst auf, wenn sie plötzlich nicht mehr funktioniert. Ein Autofahrer fiel im Dezember 1998 mit seinem Glauben an die Technik ins Wasser: Sein automatisches Navigationssystem im Wagen hatte einen Fluß in dem Ort Caputh in Ostdeutschland nicht erkannt und ihn direkt in den Fluß Havel geleitet.
Was bringt die weitere Zukunft? Allmählich erreicht man die physikalischen Grenzen der Miniaturisierung, und auch der Strom kann nicht schneller fließen, als er es ohnehin schon tut. Man experimentiert deshalb mit Licht, Chemie und Biologie und versucht, grundsätzlich neue Ansätze zu finden. Mehr will man aber auch mit der alten Technik erreichen. Der Grundgedanke liegt nahe und könnte von der Baustelle übernommen sein: Wenn ein Arbeiter die verlangte Arbeit nicht leisten kann, dann müssen eben mehrere die Arbeit gleichzeitig machen. Die Planungen reichen bis zu 250.000 parallel arbeitenden Arbeitern - Prozessoren. Das Problem liegt dabei weniger auf der Hardwareseite als bei der Software, die die parallelen Prozesse aufeinander abstimmen muß.
Man erwartet von der neuen Rechnergeneration nicht nur höhere Geschwindigkeiten, größere Toleranzen und höhere Ausfallsicherheiten, sondern glaubt an Einsatzmöglichkeiten in ganz neuen Bereichen. Abgesehen von dem weiten Feld der "künstlichen Intelligenz" (KI), die wie ein Damokles-Schwert über Anhängern und Gegnern hängt, könnten die neuen Computer dem Menschen allgemein und besonders dem Architekten um eine Eigenschaft näher kommen, die bisher dem Computer noch völlig verschlossen blieb: das Erfassen komplexer Zusammenhänge. Bisher konnte der Computer zwar große Datenmengen in relativ kurzer Zeit bearbeiten aber nur in der Form von "0" und "1". Einen Gesamteindruck von den gegenüber der Vorlage abweichenden Details kann er aber noch nicht erfassen und auswerten. Ob dieser Traum je in Erfüllung gehen wird, wird die Zukunft zeigen.
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